Die Presse über «Lesen, Reden und anderer Unsinn»
Frutigländer, 30. 1. 2026 (PDF)
«Der eine, ein bekannter Publikumsliebling, der seit Jahren die Schweizer Kleinkunstszene prägt – etwa mit dem aktuellen Erfolgsprogramm ‹Bänz Friedli räumt auf› –, der andere als langjähriger SRF-Satire-Redaktor unter anderem bekannt aus der Sendung ‹Spasspartout›: Gemeinsam lasen Friedli und Götz in der bist auf den letzten Platz besetzten ‹Badi Lounge› aus eigenen Texten und Büchern, redeten über Alltägliches und Politisches, hielten den Schlagzeilen der Gegenwart einen schrägen Spiegel vor und lieferten sich wortgewandte Dialoge.
Die Mischung erwies sich als beste Unterhaltung und äusserst gelungen. Viele unerwartete Pointen sorgten für Lacher, während sich Hochdeutsch und Berner Dialekt harmonisch abwechselten. Beide Künstler zeigten sich sprachlich virtuos, jede Pointe sass. In ihren Lesungen und Gesprächen griffen sie auch aktuelle Themen auf, etwa die schwierige Woche in Davos, die Friedli gekonnt in ‹Kokain- und Cüplikränzli› zusammenfasste, kurz seine grossartige Imitationskunst aufblitzen liess und den US-Präsidenten genüsslich zerlegte. Götz erläuterte seine Sicht auf die Halbierungsinitiative betreffend SRG, von der vor allem ein Gedankenspiel hängenblieb: Nähme die Schweiz diese Initiative an, so Götz, würde sie weltweite Aufmerksamkeit erlangen: ‹Jeder Diktator würde sagen: ‹Oh, ein solches Volk will ich auch, das sich selbst das Radio abschafft›.›
Zwischen politischen Spitzen und feinem Humor blieb auch Platz für Persönliches: Es wurde über Schallplatten, die Bühne und Ausschnitte aus der mitgebrachten Zeitung sinniert. Sogar ein Miniatur-Hörspiel kam zum Zug. Ein Abend, der humorvoll und zugleich tiefgründig war und eindrücklich aufzeigte, wie lebendig und relevant Literatur und Satire auch jenseits der grossen Bühnen sind.» Martin Wenger